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9. August 2018„Blockchain mischt die Karten am Markt neu“

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Bereits in den 1990er Jahren entwickelte der Neurophysiker Dr. Klaus Holthausen eine hochintelligente Such- und Empfehlungstechnologie. Das Besondere: Sie orientiert sich an der Funktionsweise des menschlichen Gehirns. Die Entwicklung war langwierig und Google mit seiner Suche schneller am Markt. Nun startet Holthausen mit seinen Partnern neu durch. Im Interview erklären die Gründer von TEAL, warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist und was sie mit der Technologie vorhaben.

TEAL tritt mit einer Suche an, die klüger ist als Google. Wie kam es dazu?

Dr. Klaus Holthausen: Unsere Such- und Empfehlungs-Technologie ist nicht klüger als Google. Sie ist auf eine ganz andere Art und Weise intelligent. In der Theorie basiert sie auf der Logik neuronaler Netze. Wir beantworten also zwar Fragen, wie auch Google das tut. Aber unsere Technologie geht assoziativ vor. Sie versteht eine Frage nicht nur semantisch, sondern bezieht andere Informationen mit ein und baut so individuelle Informationswege. Zum Beispiel kann sie, gefüttert mit den richtigen Daten, eine ganz individuelle Reise zur WM für eine Gruppe von Freunden zusammenstellen. Die Reise berücksichtigt nicht nur, welche Spiele die Mitreisenden sehen wollen, sondern auch, ob Max nur in Hotels mit deutschem Bier schläft, Markus Wert auf maximal 4 Kilometer Anreise zum Stadion legt und Maria vegetarische Halbpension in ihrer Unterkunft erwartet.

Das klingt nach einem futuristischen Reiseberater, die Suche haben Sie aber schon in den 1990er Jahren entwickelt. Warum gehen Sie erst jetzt an den Markt?

Dr. Klaus Holthausen: Es war ein langer Weg bis zu dieser Technologie – und wir waren am Ende einfach ein wenig zu spät. Ich habe bereits 1991 mit der Grundlagenforschung für TEAL begonnen, damals aber noch mit einem ganz anderen Interesse. Mein Doktorvater und ich forschten am Institut für Zoologie daran, wie Gehirne Informationen verarbeiten. Wir wollten damals zu einem Grundverständnis des Gehirns beitragen. Dass daraus mal ein Suchalgorithmus wird, war so überhaupt nicht geplant. Erst 1996 forschte ich an den ersten selbstlernenden, neuronalen Netzen, ein wenig später kam dann das erste Patent für eine assoziative Volltextsuche. Gescheitert sind wir damals an zwei Hürden: Zum einen hätte es eine unfassbar große Rechenleistung gebraucht, diese Wissensstruktur aufzubauen. Zum anderen hatte Google bereits einen erheblichen Teil der Suchanfragen auf sich konzentriert.
Michael Pruban: Genau das dachten wir damals auch. Unser Mitgründer Ulf Letschert schickte uns 2014 das Konzept, nachdem wir uns auf einer IT-Veranstaltung trafen. Weil es eine reine Suchtechnologie war, und wir die Search-Experten. Wir haben uns damals den Businessplan durchgelesen und gedacht ‚Das wäre tatsächlich eine richtig gute Suchtechnologie. Aber was damit tun?‘
Arne Schmidt: Im Laufe der Jahre hatten wir einige Ideen. Für eine neue Suchmaschine war die Zeit in der jetzigen digitalen Welt einfach abgelaufen. Man hätte sie einbinden können, beispielsweise in bestehende Shopware oder WordPress. Dahinter verbirgt sich aber ordentlich finanzieller Aufwand bei ungewissem Ausgang. Für uns steckte aber mehr in dieser Technologie drin.

Nun verzahnt ihr für TEAL die assoziative Such- und Empfehlungstechnologie mit der Blockchain-Infrastruktur. Warum seht ihr darin eine Chance?

Arne Schmidt: Michael und ich sind schon vor einigen Jahren auf das Blockchain-Konzept aufmerksam geworden und handeln auch selbst mit Kryptowährungen. Was uns sofort begeistert hat, war der Raum für visionäre Produkte. Diese Infrastruktur hat die Kraft, die bestehenden Machtverhältnisse am Markt umzuwerfen. Und die Crowd unterstützt diesen Wandel monetär.
Michael Pruban: Die konkrete Idee zu TEAL entstand dann im Mai 2017. Arne öffnete eines Tages noch einmal den Businessplan und da fiel es uns wie Schuppen von den Augen. Diese hochintelligente Suchtechnologie bekommt jetzt eine neue Chance, weil die Blockchain die Karten am Markt neu gibt. Und weil diese dezentralen Informationsnetze in einer solchen Infrastruktur auch dezentral gespeichert und genutzt werden können. Das passte einfach perfekt. Wir haben uns dann mit Klaus auf ein Bier zusammengesetzt und TEALs erstes richtiges Produkt entwickelt, den TEAL Marketplace.
Dr. Klaus Holthausen: Eigentlich waren es sogar ein paar Bier mehr (lacht). Im Ernst, die Blockchain-Infrastruktur hat das Potenzial, viele Bereiche, die jetzt noch in der Hand einiger großer Player sind, zu revolutionieren. Den Usern kollektive Alternativen zu geben, Selbstbestimmtheit und Transparenz. Stellen wir uns ein Wikipedia mit diesen Fähigkeiten vor: Dezentral aufgebaut und gespeichert, auf dem Konsens der Masse basierend und Themen intelligent miteinander verzahnend. Das wäre ein Quantensprung im kollektiven Wissensmanagement. Und dieser Gedanke lässt sich auch auf andere Bereiche übertragen. Mit TEAL schaffen wir ein Smart Blockchain Ecosystem, in dem viele dieser Anwendungen Platz haben.

Teil 2 des Interviews findest du hier.