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9. August 2018Distribute 2018: Bosch, Deutsche Bahn und TEAL diskutieren das Potenzial der Blockchain

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‚Blockchain‘ sei der Begriff, den die Experten nutzen, wenn sie mit dem Topmanagement sprechen, verrät der Referent eines großen deutschen Konzerns mit einem Augenzwinkern.
Auf der Distribute 2018 in Hamburg ist er eher unter Experten oder zumindest informierten Interessenten. Was sein Vortrag, wie auch viele andere auf der Blockchain-Konferenz zeigen: Unternehmen beschäftigen sich nicht mehr nur theoretisch mit dem Phänomen Blockchain, sondern experimentieren damit, wie sie die Blockchain in der Praxis nutzen können.

Vertrauen ist zentral, um die Endnutzer zu überzeugen
„Jedes Device muss in der Lage sein, mit jedem Device Geschäfte zu machen,“ erklärt Peter Busch, verantwortlich für die Automotive-Blockchain-Aktivitäten und Mitglied des Automotive Thinktank bei Robert Bosch. Er zeichnet das Bild von einer „Economy of things“ und einem Gegengewicht zum Sillicon Valley. Für jedes Produkt, das bei Bosch hergestellt wird, versucht man eine IP-Adresse zu bekommen und so ein IoT-Netzwerk aufzubauen. Eine zentrale Erkenntnis von Busch: Der Endnutzer akzeptiert solche Lösungen viel eher, wenn der gute alte TÜV dabei ist.

Blockchain ist kein Traumschloss auf der Wiese
Über das Identitätsmanagement von Dingen und Maschinen macht sich die Deutsche Bahn Gedanken. Michael Kuperberg, Lead Architect für Blockchain- und DLT-Themen bei der Deutsche-Bahn-Tochter DB Systel, bewertet Produkte und Ansätze, entwirft Lösungen und leitet die Entwicklung von Produkten und Prototypen. Er spricht von Zügen, die miteinander Verträge abschließen, und der praktischen Realität. Für Kuperberg ist Blockchain kein Traumschloss auf der Wiese, denn es gibt Bestandsysteme, die man anbinden muss. „Die Blockchain auf eine andere Art zu integrieren, das erfordert auch ein anderes Denken,“ stellt der Bahn-Mann fest.

Während Unternehmensvertreter ihre Projekte vorstellen, schlägt Prof. Dr. Volker Skwarek von der HAW Hamburg weniger enthusiatische Töne an. Er sagt, beim Thema Blockchain seien wir noch in den Siebzigern. „Ohne Standards wird sich das nicht etablieren können,“ so Skwarek weiter. Diese Herausforderung sehen auch andere Sprecher der Distribute Conference. „In the world of MOBI [Blockchain-Konsortium der Autoindustrie) we end up with different blockchain systems,“ erklärt ein Referent.

Wer macht das Geschäft mit den Daten?
Für Leif-Nissen Lundbaek von XAIN ist die Kontrolle des Nutzers über seine Daten ein zentrales Thema, wenn es um Blockchain geht. „Facebook lässt Dich glauben, Du hast die Kontrolle, tatsächlich hast du sie aber nicht,“ sagt Lundbaek und präsentiert XAIN als Trusted User Managed Access System als Gegenentwurf zu Authority Managed Access Systemen wie Facebook. Die Frage, wem die Daten nun gehören und wer in Zukunft das große Geld mit den Daten machen wird, ist noch nicht raus, heißt es auf der Blockchain Conference.

Die Natur als Masterplan
Dr. Klaus Holthausen, Mitgründer und CEO von TEAL, betrachtet die Blockchain und ihr Potenzial für die globale Wirtschaft aus einer wissenschaftlichen Perspektive. „Erst wenn wir die Paradigmen der Natur neben die Blockchain legen, können wir das größere Bild sehen,“ erklärt Holthausen. „Der Unterschied zwischen einem Einzeller und dem Menschen sind Distribution, Logik und Infrastruktur. Etwas schaffen als selbstorganisierte Infrastruktur, darin ist die Natur super.“ Mit TEAL will er ein Smart Blockchain Ecosystem schaffen. Das Zielbild: Selbstorganisierte, dezentrale Marktplätze, die die Mechanismen der Natur abbilden.