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4. April 2019Zuckerberg bittet um Internet-Regulierung: Warum wir gerade jetzt eine Greta Thunberg des Webs brauchen

Vergangenen Samstag veröffentlichte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg seine Vorschläge zur Regulierung des Internets. Daraus wird deutlich: Er bittet vor allem die Regierungen darum, einzugreifen. Zwar schreibt er die Verantwortung für einen ordentlichen Umgang mit schädlichem Content den Internetunternehmen selbst zu, gibt aber gleichzeitig – zumindest zwischen den Zeilen – eine erhebliche Überforderung zu. Er wünscht sich globale Regeln. Vorbild darf dabei gerne die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sein, meint der Facebook-Chef.
Uns ist das nicht genug. Die DSGVO ist zwar ein gut gemeinter Ansatz für die Regulierung des Internets, aber das reicht nicht. Es muss ein grundlegendes Umdenken stattfinden und das können weder die Politik und schon gar nicht bestehende Plattformen herbeiführen. Für ein wirklich faires und transparentes Internet benötigen wir wohl den Druck einer Basis-Bewegung. Im Idealfall eine Art Greta Thunberg des Webs.

Eine starke Community kann mehr erreichen als bloße Gesetzgebungen

Greta Thunberg ist die Klimaschutzaktivistin aus Schweden, die die globale Bewegung „Fridays for Future“ ins Leben gerufen hat. Sie fordert, dass das Übereinkommen von Paris eingehalten wird. Die Aktivistin kommt mitten aus der Gesellschaft, ohne vorherigen Bekanntheitsgrad und macht nun Druck. Sie macht auf die Folgen, mit denen ihre und die nachfolgenden Generationen künftig kämpfen müssen, aufmerksam. Im Interview mit „The Guardian“ erklärte sie ihre Intension freitags die Schule zu schwänzen, um sich für den Klimaschutz einzusetzen: Sie sehe keinen Sinn mehr darin, zur Schule zu gehen und für eine Zukunft zu lernen, die bald nicht mehr existieren würde. Seit Greta Thunberg gab es mehr als 1.650 Klimakundgebungen – und immer häufiger bleiben freitags einige Schulbänke leer.

Eine Greta Thunberg des Internets

Der Willen und die Stärke der Aktivistin ist nicht nur eine Inspiration für den Klimawandel. Sie zeigt, dass mit Engagement und Gemeinschaft ein Umdenken stattfinden kann – und das benötigen wir im Umgang mit dem Internet. Postitivbeispiele der Geschichte gibt es bereits. Wikipedia ist als gemeinnütziges Projekt für und mit der Community gewachsen. Diese hat sie aufgebaut und die Enzyklopädie ist durch sie gewachsen. Dabei bleibt Wikipedia wirtschaftlich und ist nicht durch politische Randinteressen motiviert. Nicht die Regierung, sondern die Community wird für einen fairen und transparenten Umgang mit dem Internet sorgen. Trotzdem ist die Wikipedia auch stark mit dem Namen Jimmy Wels verbunden. Protest und Neuerungen brauchen Gesichter und Personen, die man damit verbinden kann. Alleine deshalb schon brauchen wir eine Greta Thunbergs des Internets.