3. April 2020Die Superkraft dezentraler Netze

Das Projekt Folding@home forscht derzeit nach einem Heilmittel für das Coronavirus Sars-CoV-2 und ist jetzt leistungsstärker als die sieben besten Supercomputer der Welt zusammen. Der Grund: Viele Menschen – darunter auch Krypto-Miner – stellen ihre Rechenleistung zur Verfügung. Dieses Projekt zeigt, worum es bei dezentralen Netzen wirklich geht: Konkrete Anwendungen schaffen, an denen sich alle Menschen beteiligen können.

Folding@home (F@H) ist ein von der Stanford University entwickeltes Volunteer-Computing-Projekt, das für verschiedene Krankheiten die Proteinfaltung simuliert, um den Fortschritt der medizinischen Forschung und damit die Entwicklung neuer Medikamente zu beschleunigen.

Jeder kann sich die Software auf seinem Computer installieren und seine Rechenleistung zur Verfügung stellen. Ohne zusätzliche Rechenleistung würde die Simulation der Proteinfaltung viel länger dauern – mehrere Jahrhunderte.

Krypto-Miner helfen beim Kampf gegen das Coronavirus
Als das Coronavirus Sars-CoV-2 auf der ganzen Welt ausbrach, brauchte Folding@home mehr Rechenleistung denn je. Viele Menschen haben sich an dem Projekt beteiligt, um die Corona-Pandemie aufzuhalten – so viele, dass Folding@home mittlerweile eine Rechenleistung von 470 Petaflops besitzt.

Das ist mehr als die beiden rechenstärksten Computer der Welt zusammen. Auch viele Bitcoin-Miner, die normalerweise ihre Rechenleistung auf das Schürfen von virtuellen Währungen fokussieren, stellen inzwischen ihre Kapazitäten für das Forschungsprojekt zur Verfügung.

Bei der Blockchain kommt es auf konkrete Anwendungen an
Das Folding@home-Projekt ist ein erstklassiges Beispiel dafür, was mit einer dezentralen Rechenstruktur möglich ist und wie wir gemeinsam die Welt gestalten können – wie wir sie auch von der Blockchain kennen.

Bei dezentralen Netzen geht es nicht um Geldströme. Es geht um Anwendungen für unsere Gesellschaft, von denen jeder Mensch profitiert, die alle Marktteilnehmer gleichmächtig macht (auch den Kunden) und an denen sich jeder beteiligen kann. Solche Anwendungen sind es, die die Blockchain für uns interessant machen. Auch wenn es viele anders sehen: Währungen sind dabei ein Mittel zum Zweck, diese Anwendungen zu betreiben – und nicht die Essenz der Blockchain-Technologie.

Folding@home und weitere Projekte zeigen das wahre Potenzial von dezentralen Netzen
Vor zwei Jahren gab es eine ganze Reihe an ähnlichen Beispielen wie das Folding@home-Projekt: Die Agentur Interone hatte beispielsweise mit Krypto-Mining Obdachlosen geholfen, indem Menschen die App namens Heat4Help auf das Smartphone installierten. Die Rechenleistung der Smartphones wurden zu Coins einer Kryptowährung generiert und auf das Spendenkonto eines Obdachlosenvereins überwiesen.

Zuletzt hatte die Stadt Wien den sogenannten Kultur-Token ins Leben gerufen: Ein auf einer Blockchain basierendes System, das Bewohner der Stadt für eingespartes CO2 mit den Token belohnt. Diese können die Bewohner anschließend in Gratis-Tickets für unterschiedliche Kultureinrichtungen nutzen.

Und das New Yorker Künstlerkollektiv „Snark Art“ arbeitet derzeit an digitalen, auf Blockchain basierenden Kunstprojekten. Diese werden in Non Fungible Token zerlegt und so Betrachter zu aktiven Teilnehmern macht.

Unserer Meinung nach zeigen all diese Beispiele einen der eigentlichen Vorteile von dezentralen Netzen wie der Blockchain auf: Dass jeder Mensch sich aktiv an konkreten Anwendungen beteiligen kann – die dem Gesellschaftswohl dienen.