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9. August 2018„Selbst wenn eine Blockchain-Blase platzt, gehen daraus herausragende Unternehmen hervor“

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Die Blockchain und ihre Kraft, die Machtverhältnisse am Markt komplett zu verändern, faszinieren die Gründer von TEAL. Mit der Infrastruktur eines Distributed Ledger eröffnen sich völlig neue Anwendungszenarien für die hochintelligente Such- und Empfehlungstechnologie, die Dr. Klaus Holthausen bereits in den Neunzigern entwickelte. Das TEAL-Team will ein Smart Blockchain Ecosystem schaffen, in dem die Daten den Nutzern gehören und Angebot und Nachfrage direkt zusammenkommen. Angst vor einer Blockchain-Blase haben sie nicht. Im zweiten Teil des Interviews sprechen sie über ihre Pläne.

Was macht TEAL anders als and Was macht TEAL anders als andere Blockchain-basierte Unternehmen?

Arne Schmidt: Bei ICOs und Token Sales wird meist in die blanke Infrastruktur investiert. Die Geldgeber glauben an die Vision dahinter. Andere haben ein Produkt, aber oft handelt es sich nur um ein digitalisiertes Geschäftsmodell. Uber wäre so ein Konstrukt, wenn auch außerhalb der Krypto-Welt. Für mich bündelt Uber nur Privatleute, die Taxi fahren, neu ist das aber nicht. Aber ein assoziatives Netzwerk, das mir als User oder Marke ganz andere Handlungs- und Handelsoptionen bietet, finde ich cool. Wir verzahnen eine komplett neue Suchtechnologie mit der Infrastruktur der Blockchain.
Dr. Klaus Holthausen: Und haben von Anfang an in konkreten Produkten gedacht. Die ersten Produkte, die wir mit den Einnahmen aus dem Token Sale finanzieren, werden eine eigene Wallet und unser TEAL Marketplace sein. Wir denken aber auch andere Anwendungsszenarien an, von der Marktforschung bis hin zu Finanzdienstleistungen.
Michael Pruban: Genau das würde ich auch jedem Krypto-Investor sagen. Wenn du langfristig mit deinen Investments Erfolg haben willst, dann schau, dass die Investments mehr als nur eine Währung sind. Blanke Währungen haben fast alle ein Verfallsdatum. Wer in Technologien investiert, die über die blanke Blockchain-Infrastruktur hinausgehen und mehr als nur eine Anwendung ermöglichen, der investiert in Weiterentwicklung.

Nun ist seit Googles Anfangstagen einiges passiert. Auch abseits von Google und IBM Watson gibt es künstliche Intelligenzen wie Sand am Meer, Herr Holthausen.

Dr. Klaus Holthausen: Stimmt. Aber die meisten künstlichen Intelligenzen sind auf ein einziges, konkretes Problem hin entwickelt. Google macht Dinge auffindbar, interpretiert und assoziiert dabei aber nicht. Watson sollte Sprache erkennen und lernte ein Wörterbuch auswendig. Inzwischen kann Watson sich im Turing-Test ein paar Minuten ganz gut halten. Aber die Fähigkeit zur Abstraktion, zum assoziativen Verstehen, fehlt ihm und den meisten anderen. Wir haben den Beweis, dass unsere Suche abstrahieren kann, schon lange erbracht. Das Archiv einer großen nationalen Tageszeitung wurde bereits in den 1990er Jahren darauf umgestellt und erlaubt eine Suche nach alten Artikeln, die deren Inhalt versteht. Und gemeinsam mit unserem Mitgründer Ralf-Hermann Lensing nutze ich die Technologie seit Jahren in unserem Marktforschungs- und Beratungsunternehmen für große Unternehmen wie das Urlaubsportal e-domizil oder als Berater im Roland Berger Expert Network.

Um den TEAL Marketplace umzusetzen, plant ihr einen Token-Sale. Gerade sind diese Finanzierungsverfahren umstritten. Glaubt ihr an eine Blase?
Arne Schmidt: Die Furcht vor der Blase ist absolut berechtigt. Wenn ein Großteil der ICOs weiterhin auf alte Produkte als Blockchain-Anwendung oder auf reine Infrastruktur setzt, entsteht damit am Ende des Tages kein realer Mehrwert. Diese Geschäftsmodelle werden sterben. Um TEAL mache ich mir bei der geplanten Produktpalette aber keine Sorgen.
Michael Pruban: Ich sehe das wie Dominic Schiener von IOTA. Es wird eine Konsolidierung in der Branche geben und die wird manchen wehtun, genauso wie die Dotcom-Blase. Das ist nur logisch, wenn viele Menschen in eine so weitreichende Neuerung investieren. Wie in den 2000ern werden einige Investoren Geld einbüßen und einige Unternehmen verschwinden, wenn die Blase platzt. Aber genau wie damals werden auch einige herausragende Unternehmen daraus hervorgehen, wie damals Google, Facebook oder Amazon.

Viele Blockchain-Anbieter gründen in der Schweiz. Was hat euch dahin gelockt?

Michael Pruban: Uns hat die Schweiz nicht gelockt. In Deutschland war es nur schlicht unmöglich, TEAL rechtssicher aufzusetzen. Das war für mich die wohl ernüchternste Erkenntnis bislang. Wir sind in Deutschland noch meilenweit von einem Konzept im Umgang mit ICOs und Co. entfernt. Wir haben nach sechs Monaten ein Schreiben der BaFin erhalten, in dem man uns sagte: Schickt uns gern eure Unterlagen und wir schauen sie uns an, aber etwas Verbindliches können wir euch nicht sagen. Der Gang in die Schweiz war die nötige Konsequenz. Dort gibt es klare Regularien, aber eben auch schon viel mehr Bürokratie. Die notwendigen KYC-Prozesse beispielsweise sorgen dafür, dass alle an TEAL Interessierten nur mit Klarnamen und Ausweis investieren können. So schauen sich alle Beteiligten in die Augen, auch wenn wir viele Investoren für uns gewinnen.

Link zu Teil 1 des Interviews.